Persönlichkeiten 

 

 
 
Persönlichkeiten in Lichtenrade

 

Tochter des Oberkonsistorial- und Regierungsrates Freiherr von Preuschen. Mit 19 Jahren kam sie in das Haus des Dichters Gustav zu Put(t)litz nach Karlruhe, wo sie vielfältige literarische Anregungen erhielt. Nach dreijähriger Ausbildung an der Karlsruher Malerakademie bei Ferdinand Keller unternahm Hermione von Preuschen Studienreisen in viele europäische Länder, u. a. nach Sizilien, Rom, Paris und Berlin.

 

Sie galt als Begründerin des sogenannten »Historischen Stillebens«. 1882 heiratete sie den Arzt Oswald Schmidt, die Ehe wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder geschieden. Berühmt wurde Hermione von Preuschen durch den Skandal um ihr Bild Mors Imperator, das 1887 vom Vorstand der Berliner Kunstausstellung wegen Majestätsbeleidigung zurückgewiesen wurde, da das Werk als Anspielung auf den greisen Kaiser Wilhelm I. interpretiert wurde. Selbst der Kaiser schaltete sich ein und ließ verlautbaren, dass er keine Bedenken gegen das Bild habe. Dennoch lehnte die Akademie die Aus stellung ab. Erbost über die Entscheidung der Jury, mietete Hermione prompt ein Lokal und stellte das umstrittene Bild auf eigene Faust aus. Am Eröffnungstag standen Hunderte von Berlinern vor der Tür, um das Bild zu sehen, auf dem ein Herrscher mit Totenkopf abgebildet war. Seit dieser Zeit war Malerin in aller Munde und die Bilder wurden zu Höchstpreisen gehandelt.



„Mors Imperator“ - „Der Tod des Kaisers“

 

1891 heiratete Hermione von Preuschen den Schriftsteller Konrad Telmann und lebte mit ihm in Italien und Höckendorf (bei Stettin). Nach dem Tod ihres Mannes (1897) verlegte sie ihren Wohnsitz nach Berlin. Die letzten zehn Jahre lebte sie in Lichtenrade. In ihrem Buch „Der Roman meines Lebens - Ein Frauenleben um die Jahrhundertwende“ schreibt sie: „Ich male sehr fleißig im Winter und im ersten Frühling 1908 führte mich der Zufall nach Lichtenrade bei Berlin. Bekannte hatten mir gesagt, dort sei Grund und Boden noch erschwinglich...Ich fuhr also nach Lichtenrade, an dem Tag, da ich zum ersten Mal seinen Namen gehört hatte.



Das (ehemalige) Anwesen in der Prinzessinnenstraße

 

Wir besichtigten eine Pazelle im kahlen Feld, ziemlich weit vom Bahnhof (Prinzessinnenstraße 14). Ein kleines, weißes Haus mit Säulenportikus, auf einer Anhöhe stehend, darum ein großer schlechtgehaltener Garten. Ich war entzückt von den architektonischen Verhältnissen des Hauses, und wir traten ein, um nach seinen Hausmeister zu fragen. Ich war Feuer und Flamme, ging ganz auf in dem neuen Plan, schmolz mit meiner Villa, die Tempio Hermione heißen sollte (was Freund Sundermann mir mit aller Gewalt ausreden wollte), förmlich in eins zusammen.



 

Dann wurde der Garten völlig verändert und umgepflanzt. Ich kaufte ein paar hundert Zypressen, die wurden als Hecke um das Grundstück gesetzt“. 1909 kaufte sie das angrenzende Grundstück auf, um eine eigene Gemälde halle für ihre über zweihundert Bilder zu bauen. Die Gemäldehalle wurde am 2.6.1911 eröffnet. Im Gästebuch eingetragen haben sich z.B. Robert Koch und die gesamte Berliner „höhere“ Gesellschaft. Einige kamen aus New York, Tokio, Caracas, Afrika. Dem großen Eröffnungsfest folgten z.B: ein „Rosenfest“ und ein „Griechisches Mondfest“. Im Gästebuch, dass sich im Heimatmuseum Tempelhof befindet, haben sich viele Persönlichkeiten ingetragen; Lichtenrader Nachbarn sind aber nicht vertreten. Die Nachbarn waren der schillernden Persönlichkeit wohl zu gewöhnlich. Sie ist sicherlich die interessanteste Persönlichkeit der Geschichte aus Lichtenrade. Leider ist keine Straße nach ihr benannt. Herminone von Preuschen unternahm viele Weltreisen. Ihr Dekolleté sorgte in Berlin für Gesprächsstoff.

Sie war eine Frau zwischen Erotik und altgriechischen Idealen, eine Welt bürgerin, sorgte für Abwechslung im dörflichen Lichtenrade, die auch „Berlins griechische Morgengöttin“ genannt wurde aber sie war auch eine mutige Frau, „Geehrte Versammlung! Es heißt zwar mulier taceat in ecclesia‘, und ich habe dies Lieblingszitat der Männer bisher beherzigt, d.h. habe lieber gemalt und geschrieben als gesprochen... ich hatte nämlich noch den naiven Glauben, die Männer seien unparteiisch, und wenn eine Frau wirklich einmal etwas wahrhaft Großes leiste, erkennten sie es bereitwillig an.... Im Laufe der Jahre und Erfahrungen bin ich leider von dieser Ansicht zurückgekommen.“ Mit diesen Worten begann die Malerin und Schriftstellerin Hermione von Preuschen ihre kämpferische Rede auf dem Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen 1896 in Berlin. Sie beklagte die schlechte Ausbildungssituation der Künstlerinnen und die Widerstände seitens der Professoren in Kunstakademien, die in jeder talentierten Künstlerin eine unliebsame Konkurrenz erblickten: „Der talentvollen, hübschen Anfängerin schaut der Mann gutmütig duldsam von oben herab auf die Finger, wehe aber der Frau, die ernst genommen werden muss und die es wagt, ebenso Gutes oder gar Besseres zu leisten, als der durchschnittsmann. Da bilden plötzlich alte Feinde selbst eine brüderlich geschlossene Phalanx gegen den Eindringling, den sie boy kottieren möchten durch alle Länder der Erde.“ Hermione von Preuschen war, als sie diese Rede in Berlin hielt, bereits eine bekannte Malerin und Dichterin.
(Quelle: aus www.lichtenrade-berlin.de von Thomas Moser)

 

 

Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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